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jfw 3.2 - erste Eindruecke



Hallo an alle, die sich wie ich einen Haifisch als Haustier halten,

nach den Berichten über das neue Jfw wollte ich es gestern auch wissen.
Ich sog mir die fast 11 mB aus dem Netz, und los ging es.

Installation
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Die Installation gestaltet sich sehr zuverlässig und denkbar einfach.
Als mein Jfw 2.0 lief, stürzte der Rechner beim ersten
Installationsversuch zwar ab, nachdem mich Eloquence so freundlich
begrüßt hatte. Der zweite Versuch, ohne ein zuvor geladenes Jaws verlief
aber völlig problemlos. Und hier zeigt sich ein großer Vorteil der
Sprachausgaben über Soundkarten. Eine Soundkarte ist in fast jedem
Rechner und vor allem in Notebooks vorhanden. Dadurch gestaltet sich die
Installation zum Kinderspiel. Das einzige, was man braucht, sind
Kenntnisse im Umgang mit den windowstypischen Kontrollelementen.

Von Anfang an wird man zielsicher durch die Installation geführt. Ich
entschied mich für die benutzerdefinierte Installation, um einzelne
Komponenten selektieren zu können. Als zusätzliche Sprachausgabe
installierte ich den Treiber für Apollo II. Auf den Braillesupport muß
ich wohl vorerst noch verzichten. Mein altes Brailloterm 80 von Kts war
jedenfalls nicht aufgeführt.

Nachdem die Dateien kopiert sind, wird, falls Msaa installiert wurde,
der REchner einmal neu gestartet. Das ist kein Problem. Eloquence ist
nach dem Neustart sofort wieder "am Ball". Im letzten Schritt wird die
Authorisation überprüft. Obwohl zu diesem Thema in der Vergangenheit
mehrfach Berichte über Probleme mit dem Kopierschutz aufgetaucht sind,
gab es bei mir keine Schwierigkeiten. Der bestehende Kopierschutz wurde
erkannt und übernommen.

Eloquence
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Die Sprachausgabe Eloquence ist so gut, daß sie sich mit einem Apollo
II durchaus messen kann. Sie reagiert schnell und zuverlässig. Wer
synthetische Sprachausgaben gewohnt ist und damit leben kann, kann sich
das Geld für eine teure Sprachsynthese aus natürlichen Phonemen wirklich
sparen. Besser als eine Keynote Gold ist Eloquence in deutsch allemal.
Und vom antiquierten Textassist will ich gar nicht erst anfangen. Ihr
merkt schon, daß ich von Eloquence sehr positiv beeindruckt bin. Die
Idee, die Sprachsynthese gleich mitzuliefern und sie als Ausgabemedium
zur Installation einzusetzen ist klasse.

Es bleibt natürlich bei den Problemen, die alle Soundkarten-Sprachen
haben. Solange eine solche Sprache läuft, belegt sie die Soundkarte. Es
ist also nicht möglich, in der Medienwiedergabe Wav-Dateien abzuspielen,
ein Umstand, mit dem ich auf Notebooks zwar leben kann, der an
Tischrechnern aber alles andere als hinnehmbar ist. Ich muß dabei an ein
Gespräch denken, was ich auf der letzten Minizebit in Hamburg mit dem
Inhaber einer Frankfurter Firma geführt habe, die eine derzeit sehr
populäre Sprachausgabe vertreibt. Auf dieses Problem angesprochen, sagte
er, "dann installieren Sie sich eben eine zweite Soundkarte".

Ich unterstelle ihm einmal, daß das nicht sein Ernst war. Stellen wir
uns ein Auto vor, dessen Kofferraum so klein ist, daß nur ein Koffer
hineinpaßt. Unser Autohändler sagt, "Wenn Sie zwei Koffer transportieren
wollen, kaufen Sie sich halt ein zweites Auto".

Aber mal im Ernst, das Problem ist nicht die Soundkarte und auch nicht
die Software-Sprache, sondern das Betriebssystem. Die Multimedia-Treiber
der Spielkonsole sind nicht in der Lage, mehrere Digitalquellen
gleichzeitig an den Dacder Soundkarte zu liefern. Um dies zu
bewerkstelligen, müßte der Treiber die Quellen digital mischen und das
Mischprodukt an die Soundkarte schicken. Das ist keine besonders schwere
oder leistungshungrige Aufgabe, aber mit Boardmitteln kann Win95 das nun
einmal nicht. Man braucht ja auch noch Gründe für ein neues Os.

Dosbox
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Der positive Eindruck der Installation setzt sich leider nicht immer
fort. Zur Dosbox hat Wolfgang Hubert bereits einiges geschrieben. Ich
kann die Fehler hier nachvollziehen. Ein Arbeiten mit Sprache allein ist in
der Dosbox so nicht möglich. Die Cursorzeile wird nicht automatisch
vorgelesen. Das von Hal bekannte Verhalten, Bildschirmausgaben, die
übers Bios gehen, automatisch vorzulesen, gibt es nicht. Das ändert sich
auch dann nicht, wenn man die "schnelle Rom-Emulation" für die Dosbox
abschaltet. Das Verhalten in der Dosbox ist auch unabhängig von der
Einstellung "vollbild" oder "Fenster". Softcursor werden nicht erkannt.
Wenn ich den Tse starte und einen Buchstaben eingebe, wiederholt Jfw den
Buchstaben am Cursor ständig also "f f f f f f f f f" bis ich den Editor
beende.

Das Schlimmste aber ist, daß man selbst mit den Jaws-Lesetasten auf dem
Nummernblock nicht lesen kann. Diese lösen offenbar nicht nur die
Lesefunktionen von Jfw aus, sondern auch gleichzeitig die
Cursorfunktionen. Da der von mir eingesetzte Command.com-Ersatz 4dos
über einen Befehlsspeicher verfügt, der über die Cursortasten durch die
letzten Befehle blättert, steht in der Cursorzeile dann immer ein
Befehl. Beispiel:

Ich gebe "cd texte" ein und drücke enter. Wenn ich jetzt den Prompt mit
Numpad2 lesen will, steht auf der Cursorzeile c:\texte\>cd texte.
Und so wird die Zeile auch angesagt. Das ist sicher nicht im Sinne des
Erfinders. Somit ist ein Arbeiten in der Dosbox ohne Zeile
unmöglich, es sei denn, ich mache etwas falsch, und jemand verrät mir,
wie es richtig gemacht wird. Schade eigentlich, da es jede Menge Tools
wie z. B. die Compiler von Bc oder Msvc gibt, die sich zu vielen
Gelegenheiten besser über die Kommandozeile aufrufen lassen. Auch gibt
es bekanntlich in der täglichen Datenverarbeitung Dinge, die nur über
Batch-Programme erledigt werden können. Das System reagiert zudem sehr
träge auf Tasteneingaben. Für diese Probleme ließen sich zwar technische
Gründe anführen, doch zeigen andere Screenreader beispielsweise
Blindows 95, daß diese Patzer nun wirklich nicht sein müssen. Blindows
95 reagiert weder träger, noch treten sonstige Probleme auf.

Gui-Programme
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Nun aber schnell ein "exit" und zurück zur Gui.

In Gui-Programmen läuft das neue Jfw wie schon die Vorgänger ganz
ordentlich. Mit angepaßten Programmen kann man sehr schön arbeiten. Die
Reformatierung im Ie ist ein gut gelungenes und sehr nützliches Feature.
Zu mehr als einem schnellen Überblick in Word und Excel hat die Zeit
bisher nicht gereicht. Bei Gelegenheit schreibe ich gern auch mehr dazu.

Aber weshalb sprechen beide Sprachausgaben immer die Ziffer eins, wenn ich
ein großes I drücke?


Fazit
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Das neue Jfw lohnt sich. Es wurden viele nützliche Neuerungen wie die
mitgelieferte Sprachausgabe, die Reformatierung von Html-Dokumenten oder
die stark verbesserte Brailleunterstützung umgesetzt. Mehrere
Assistenten helfen bei der Konfiguration und der Anpassung an bestimmte
Anwendungsprogramme. Sehr gut finde ich auch die Möglichkeit, Jfw als
sogenannten "Service" laufen zu lassen. Dadurch startet Windows Jfw
schon sehr früh, und Dialogboxen von irgendwelchen Treiberfehlern oder
die Anmeldung im Netzwerk werden gesprochen. Das ist meines Wissens
einzigartig. Services im Sinne von Nt gibt es bei 95 zwar nicht, doch
entspricht das Feature "jfw zu erst starten" einem Eintrag im
Registry-Schlüssel
[HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\RunServices]

Leider arbeitet es spürbar träger als mein altes 2.0. Der Rechner stürzt
mit 3.2 sehr häufig ab. Diese Abstürze konnte ich bisher nicht
reproduzieren und einkreisen. Möglicherweise haben sie etwas mit der
gesamten Systemkonfiguration zu tun. Wenn alle 10 Minuten nur noch ein
Kaltstart hilft, gibt einem das zu denken.

Zu wünschen ist, daß Hj noch einige Bugs beseitigt.

Diese ersten Eindrücke wurden auf einem Pentium 200 mmx mit 32 mB Ram
und Windows 95 B ohne Servicepack mit noname Grafikkarte gewonnen.